Mumbai bis Aurangabad

Um kurz nach Elf kommt der Flieger mit Julian und Lisa an Bord in Mumbai an. Eine gute Stunde später erhasche ich die beiden am Ausgang und wir fallen uns erstmal in die Arme.
Ich freu mich auf jeden Fall sehr, dass die zwei die nächsten zwei Wochen mit mir durch die Gegend reisen.

Vorher geht’s aber erstmal nach Colaba in Richtung Hostel und in Richtung Kneipe.
Verrückterweise servieren die im „Effingut“ auch Kölsch, wobei das Bier erstaunlich wenig mit dem original zu tun hat. Lecker ists trotzdem!

Ein/zwei Tage verbringen wir hier in Mumbai. Praktischerweise ist Julian am Start, der jede Menge gute Fotos einfangen kann, die ich hier völlig schamlos unter meinem Namen veröffentliche 😉
Mehr gute Fotos von dem gibt’s auf seiner Homepage oder auf Instagram.

Wir gehen die Sache gemütlich an. Mumbai hat gar nicht soo viel zu bieten, neben dem „Kulturschock Südostasien“. Wir fahren den Tag über viel Zug und kriegen so einen guten Eindruck von der Stadt.

Wie immer bemerkenswert ist hier der extreme Kontrast zwischen Lebensräumen, der hier offensichtlich vollkommen selbstverständlich ist.

Menschen leben hier im Müll, umgeben von einem durchgehend unerträglichen Lärmpegel, ihren eigenen Fäkalien und keinerlei Grundversorgung oder sozialer Infrastruktur, bis auf die, die sie sich selbst geschaffen haben.
Der Lebensraum besteht oft genug aus einer Plane, die als Dach dient. Etwas besser haben es die, die Wellblech-Wände haben.
Für mich hinterlassen diese Slums einen extrem bitteren Beigeschmack. Die Gegenden werden gerne und häufig glorifiziert, unter Locals und Touristen gleichermaßen. Kaum einer hinterfragt, warum die Regierung, die mehr als ausreichende Mittel hat, um diese extreme Armut zu bekämpfen, nicht aggressiv dagegen vorgeht.
Stattdessen werden Ressourcen lieber in den völlig unnötigen Krieg gegen Pakistan und die Selbsterfüllung von der oberen Regierung gesteckt.
Menschenwürde ist hier offensichtlich ein Fremdwort.
Die Wikipedia hat eine ausgesprochen gut aufgearbeitete Seite zu Slums, die das ganze Thema deutlich nüchterner betrachtet und die halbe Stunde Lesezeit definitiv wert ist.

 

Nach dem Chaos Mumbai verpassen wir fast unseren Nachtbus in Richtung Aurangabad. Wer hätte auch damit rechnen können, dass der pünktlich ist, sind die doch sonst nie…

Kurz nach Morgendämmerung kommen wir völlig geplättet in Aurangabad an und können ins Hostel einchecken. Erstmal wird ein bisschen gedöst, wir haben nur zwei Tage vor Ort und wollen heute und morgen jeweils eine Tagestour machen.

Niki, aus Chongqing in China schließt sich uns für heute und morgen an. So können wir die Kosten für das Taxi durch Vier teilen, was uns die zwei Tage durch die Gegend karrt.

Heute geht es in die nähere Umgebung. Bei brennender Hitze fahren wir ein paar Kilometer in Richtung Ellora-Höhlen, ein Weltkulturerbe-Gebiet, das aus jeder Menge 1.000-1.500 Jahre alter Basalthöhlen besteht.

Die Höhlen sind dem Buddhismus, Hinduismus und Jainismus gewidmet (letzteres ist, enorm vereinfacht, sowas wie eine Mischform von den beiden anderen).

Für mich ist diese ganze Anlage aber vor allem spannend wegen des Kailasha-Tempels. Das ist die größte Monolithische Aushöhlung der Welt. Der Tempel ist also aus einem einzigen Stück (Basalt)-Stein geschlagen, vor gut tausend Jahren und vollständig in Handarbeit.

Das Teil ist riesig!

…leider aber auch vollkommen überlaufen und weil wir hier die einzigen weißen sind, sind wir für viele Leute eine größere Attraktion, als der Tempel.

Wir fliehen auf etwas höheres Terrain und haben so einen guten Überblick über die ganze Anlage.

 

Ein bisschen laufen wir noch Bergauf, die Hitze macht uns aber so sehr zu schaffen, dass wir wieder zurück, in Richtung Schatten und Trinkwasser fliehen.

Eigentlich hat das Gelände noch deutlich mehr Höhlen und Tempel zu bieten, aber wir einigen uns die auszulassen. Es ist einfach viel zu heiß, um irgendwas zu machen.

Niki schaut sich noch ein/zwei andere Höhlen an, dann ist es ihr auch zu viel und wir melden uns bei unserem Fahrer, der uns weiter in Richtung Daulatabad Fort fährt.
Die Burganlage wurde zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert errichtet, gesiedelt wurde in dem Gebiet schon vor über 2.000 Jahren.

Gute vier Kilometer im Durchmesser sind die Außenmauern. In den Äußeren Bereichen gibt es jede Menge Tempel und ein sehr prominentes Minarett, das ebenfalls im 14. Jahrhundert gebaut wurde, auch wenn das deutlich neuer aussieht.

Die letzten paar Tage hatten wir ziemliches Wetterglück, dafür dass hier Monsoon-Saison ist. Jetzt brechen endlich das erste Mal die Wolken und wir werden von heftigem Regen überrascht. Julian nutzt die Zeit um ein paar wirklich gute Fotos von den paar Indern, die hier aufgekratzt im Regen turnen, einzufangen.

Und noch zwei von dem Tempel, in dem wir Unterschlupf finden.

Eine gute halbe Stunde später klart es wieder auf und wir machen uns auf den Weg zum höchsten Punkt von dem befestigten Berg.
Unterwegs geht es durch eine Fledermaushöhle, die wirklich krass stinkt und entsprechend voll mit Fledermäusen ist. Leider kann man hier ohne Stativ nicht viel einfangen fototechnisch…

Nach noch mehr Regen, der uns diesmal in dem Gebäude auf der Bergspitze einsperrt, geht es wieder zurück in Richtung Hostel.
Das war ein langer Tag und wir sind echt fertig, als wir wieder zurückkommen.

Wir starten den nächsten Tag mit einer sehr langen Autofahrt. Unser Fahrer macht seinen Job aber echt gut und bringt uns in gut drei Stunden sicher und entspannt zu den Ajanta-Höhlen.

Lisa ist ein bisschen krank, schlägt sich aber mit diversen Medikamenten ganz gut durch. Julian und mich wird das in ein paar Tagen auch noch einholen…

21 Höhlen sind in Ajanta aneinandergereiht und verschiedensten Göttern aus den drei „-ismus“-Religionen gewidmet.
Die Anlage ist echt groß und immerhin sind die Höhlen im Innenraum ein bisschen weniger heiß als die Außentemperatur.
Es ist aber auch einfach heiß hier!

Gute drei Stunden schauen wir uns die Höhlen und das umliegende Gebiet an. Die Anlage ist zwar echt beeindruckend, aber kann meiner Meinung nach dem Tempel von gestern nicht so ganz das Wasser reichen. Vielleicht bin ich aber auch ein bisschen abgestumpft, was Tempelanlagen angeht.

Ein gemütliches Mittagessen später sitzen wir schon wieder im Auto auf dem Rückweg. Mit Einbruch der Dunkelheit kommen wir an. Der Tag war anstrengend, ist aber noch nicht ganz vorbei. Julian macht sich mit mir auf den Weg in Richtung Bahnhof. Unser nächstes Ziel ist Agra, da steht der Taj Mahal, den wir uns auf dem Weg in Richtung Norden natürlich entgehen lassen wollen.

Am Bahnhof haben wir eher wenig Glück ein Zugticket zu organisieren. Offenbar ist alles ausverkauft für die gesamte nächste Woche. Das ist schlecht.
So ganz überraschend kommt das aber nicht. Das indische Zugsystem ist bekannt dafür immer ausgebucht zu sein.
Wir versuchen unser Glück in einem Reisebüro und uns werden prompt Tickets zugesichert. Das Zugticketsystem läuft hier offensichtlich über Klüngel.
Die Tickets sind ein bisschen teurer, aber dafür können wir morgen in den Nachtzug nach Agra.

 

Unser Zug geht am Nachmittag, wir können den Tag also produktiv mit Nichtstun verbringen.
Wir kaufen noch ein bisschen verschreibungspflichtige Medikamente ein, die hier wirklich unverschämt günstig sind, sowie Obst und Snacks für die grob 16 Stunden Zugfahrt.

Dann geht’s los. Auf in Richtung Agra!

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