Manali

Zwei Stunden oder so komme ich nach Lisa und Julian in Manali an.
Es sind gute fünfzehn Grad kühler als in Agra, immer noch über zwanzig, aber sehr, sehr angenehm.

Die kleine Stadt ist umgeben von hohen Bergen, gelegentlich kann man durch den Nebel auch den ein oder anderen Schneegipfel erhaschen.

Heute und Morgen gehen wir’s gemütlich an. Nicht zuletzt, weil ich mir eine leichte Lebensmittel-vergiftung eingefangen hab. Der Ort eignet sich aber exzellent zum Entspannen.
Das hängt bestimmt ein bisschen damit zusammen, dass hier die ganzen Drogis von Indien versammelt sind. Kein Wunder, denn Gras ist hier nicht nur legal, sondern wächst hier wie Unkraut überall am Wegesrand.
Die Reaktion von allen Indern, mit denen wir über unsere Route geredet haben, war in etwa: „Duuuude, best hash in the world!“, nicht das ich das bestätigen könnte, aber die Meinungen waren da ziemlich uniform.

Entsprechend viele alternative (und völlig individuelle) Reisende sind hier unterwegs. Wir fallen ein bisschen aus dem Schema mit unseren nicht-zerrissenen Klamotten, fehlenden Dreadlocks und weißen Augen.

Wir finden das ganz gut. Die wirklich schön gelegene Stadt hat ein paar nette Tempel und lädt auf ihren steilen Wegen zum Spazieren ein.
Nachdem sich mein Magen erholt hat, fällt Julian auch direkt für einen Tag flach und bleibt mit Fieber im Bett.
So waren wir alle einmal krank, knüller.
Die ersten drei Tage passiert also nicht wirklich viel. Wir hatten noch überlegt neben Manali noch Kasol zu besuchen, beschließen aber unsere restlichen paar Tage hier zu bleiben.

 

Als Julian wieder gesund genug ist raffen wir uns auf und machen eine Tageswanderung Flussaufwärts. Raus aus dem Städtchen, hoch an den Berghang und parallel zum Fluss in Richtung Norden.

Nur der Weg abwärts will sich nicht so wirklich finden lassen.
Wir laufen Kreuz und Querfeldein über eine große Apfelplantage, bis wir endlich den kleinen Pfad entdecken, der uns weiter und wieder in Richtung Tal führt.
Die quitschebunten Früchte sind wirklich lecker und ideales Proviant, bis wir wieder im Tal sind, von wo aus wir direkt am Fluss weiterlaufen.

Auf unserem Rückweg brechen dann endlich die Wolken, die das schon den ganzen Tag angedroht haben und es fängt an heftig zu regnen.
So wirkliche Unterstellmöglichkeiten gibt es keine und wir werden ziemlich nass.
Mit Taxis haben wir kein Glück und mitnehmen will uns auch keiner.
Ich laufe ein gutes Stück vor, um eine bessere Unterstellmöglichkeit zu finden und lande ein paar Minuten später zufällig im Linienbus, der genau rechtzeitig am Straßenrand hält.

Meine Idee ist im nächsten Ort ein Taxi zu organisieren, mit dem ich die Zwei abholen kann. Leider steht der Bus keine drei Minuten später in einem fetten Stau und kein Taxi ist in Sicht. Außerdem ist mein Handy leer und ich hab keine Möglichkeit mich bei den beiden zu melden und meinen Plan mitzuteilen.
Argh, dumm!
Naja – so schwebe ich eine Stunde in Ungewissheit und kann nur hoffen, dass Julian und Lisa ihren Weg irgendwie in Richtung Hostel gefunden haben und mir nicht allzu böse sind, dass ich plötzlich verschwunden bin.
Aussteigen macht irgendwann keinen Sinn mehr, ich krieche im Schneckentempo weiter in Richtung Manali. Zu Fuß wär ich schneller, aber auch deutlich nasser.

Wir finden uns im Hostel wieder. Die Zwei wurden wohl kurz nachdem ich verschwunden bin von jemandem aufgegabelt und über einen deutlich schnelleren weg bis nach Manali gefahren. Wär ich mal fünf Minuten geduldiger gewesen…

 

Eine warme Dusche später und nach dem Regen sind wir zusammen in der Stadt und organisieren uns ein Taxi für morgen. Wir wollen auf den Rohtang-Pass, der mit fast 4.000m zu einem der höchsten befahrbaren Pässe der Welt zählt. Der ganze Rest der Liste der „Höchsten Passstraßen der Welt“ sind alle wahlweise hier in Nordindien, in Tibet, oder in Nepal.

So gegen halb zehn geht’s am nächsten Morgen los. Leider lehnt sich ein schwerer Nebelvorhang an den Berg und es bleibt grau und düster.

So auf 3.000m machen wir eine Pause und stellen fest, dass es ganz schön kalt und nass ist (Überraschung…).
Praktischerweise verkaufen die hier dicke Schals und Socken aus Kaschmir-Wolle und wir shoppen ein bisschen, nachdem wir uns kurz den kleinen Tempel angesehen haben.

 

Kurze Zeit später stehen wir im Stau.
Wer hätte gedacht, dass hier so viel los ist.
Der Fahrer erklärt uns, dass hier vor ein paar Tagen ein Erdrutsch einen guten Teil der Straße weggespült hat und da das hier die einzige gut ausgebaute Straße nach Kaschmir ist, staut sich das hier entsprechend.
Julian und ich laufen ein Stück in Bergauf, dann trennen wir uns und ich laufe weiter und finde dann einen guten Kilometer weiter besagtes Stück Erdrutsch und es ist klar, dass hier so schnell gar nichts mehr passiert.

Ich schaue mir das Spektakel eine ganze Weile amüsiert an, bis mir auffällt, dass ich vielleicht so langsam mal zurücklaufen sollte. In dem Tempo kommen wir garantiert nicht vor der Dämmerung oben an.
Ich komme zurück zum Auto und werde von ein paar Bösen blicken begrüßt, die schon ewig auf mich warten, ups, sorry…

So drehen wir also um, gut 1.000 Höhenmeter entfernt vom Ziel und machen uns auf den Rückweg ins Tal.

Damit wir das Taxi aber nicht ganz umsonst gebucht haben, fahren wir noch einen Wasserfall besuchen, der auf dem Rückweg liegt und schon von unserem Hostel aus zu sehen war.

 

Und damit wars das auch schon fast mit unserer gemeinsamen Zeit in Indien.
Den letzten halben Tag in Manali verbringen die zwei mit shoppen, ich faulenze derweil.

Dann geht auch schon unser Nachtbus zurück in Richtung Delhi.

Den letzten halben Tag in Delhi hängen wir in einem Hostel in Flughafennähe herum, danach schnappen wir ein Tuktuk und müssen uns voneinander verabschieden.

War echt schön mit euch,
bis bald!

 

Ein paar Stunden später bin ich wieder zurück in Mumbai, als nächstes geht’s nach Nepal.

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