Agra

Eigentlich wollte ich Agra und Manali in einen Beitrag werfen, aber das wird zu lang…
So ist das hier halt ein Fotoblog mit lediglich vier Fotos.

 

Nach einer wirklich, wirklich langen Zugfahrt kommen wir endlich in Agra an.
Gute 16 Stunden hat das gedauert, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht.
Angekommen am Bahnhof werden wir wie gewohnt von eintausend Tuktuk-Fahrern belagert. Nach ein bisschen müdem Widerstand lassen wir uns dann von einem der Jungs in Richtung Hostel fahren.
Die Nacht wollen wir 100km weiter in Delhi verbringen, aber den Tag über eine Basis zu haben ist trotzdem nicht verkehrt.

So lange unterwegs zu sein ist echt anstrengend, wir erholen uns ein bisschen im Hostel und machen uns dann auf den Weg zum Mittagessen und danach zur Attraktion von Agra; Der Taj Mahal.

 

Geschichtseinschub:
(Hier war ganz schön viel los vor gut 350 Jahren…)

Der Taj Mahal ist ein Mausoleum, was zu ehren von Mumtaz Mahal errichtet wurde. Mumtaz Mahal war die Frau vom Großmogul Shah Jahan, dem Kaiser vom Mogulreich zwischen 1628 und 1657.

 

Zur Geografie:

Das Mogulreich hat sich zu der Zeit von Shah Jahan über das heutige Nordindien, große Teile von Bangladesch, Pakistan und Afghanistan, sowie kleine Teile von Turkmenistan und Usbekistan erstreckt.

Im Westen war das Mogulreich vom Reich der Safawiden, der damaligen Herrscherdynastie in Persien, begrenzt.

Im Norden grenzte das Reich an die Region von ungefähr hundert verschiedenen Nomadenstämmen (genannt „Horden“), die vor allem unter Usbekischer und Kasachischer Flagge vereint waren. Die Zeit ist in dem Gebiet extrem chaotisch und so wirkliche Grenzen gab’s in der Richtung eigentlich nicht.
Etwas weiter östlich ist das Himalaya-Gebirge, was schon immer eine natürliche Grenze dargestellt hat und zu der Zeit unter gar keiner Herrschaft stand. Nördlich davon wurde Tibet zu der Zeit durch die Tsangpa-Dynastie regiert, die letzte Dynastie vor Chinesischer Herrschaft, die das Gebiet im Rahmen der Qing-Dynastie etwas später eingenommen haben.

Im Osten war die Taungu-Dynastie im heutigen Myanmar gerade mit Wiederaufbau beschäftigt, nachdem die Portugiesen, die große Teile des Gebietes eingenommen hatten, zurückgedrängt wurden.

Im Süden vom Mogulreich waren noch die Überreste vom Vijayanagar-Königreich, das gerade am zerfallen war. Die Hauptstadt von dem Reich war Hampi.

 

Zurück zum Großmogul Shah Jahan:
(Der heißt übrigens übersetzt „König der Welt“)

Der war wohl neben erobern vor allem mit seiner Frau Mumtaz Mahal beschäftigt. In die war der, den Geschichtsbüchern nach, ziemlich verknallt. In den Zwanzig Jahren Ehe haben die 14 Kinder gezeugt (Naja, dreizehn, eins war vor der Ehe). 1631, bei der Geburt von Kind Nummer 14 ist Mumtaz Mahal dann an peripartaler Blutung verstorben.

Der Mogul ist in Trauer verfallen und hat vorläufig sämtliche Staatsgeschäfte gelassen und hat kurz danach den Bau vom Taj Mahal veranlasst, sowie eine zweijährige Staatstrauer.

Das Mausoleum, so wie die umliegenden Gärten und der Großteil der wichtigen umliegenden Gebäude, wurden bereits 1643 fertiggestellt. Das ist in Anbetracht der Größe von dem Gebäude echt beeindruckend!
Fünf weitere Jahre hat es gedauert, bis die Verzierungen fertiggestellt wurden, die gesamte Bauphase hat also 16 Jahre gedauert.
Also fast so schnell wie der Kölner Dom mit seinen gut 600 Jahren (aber nur fast).

 

Wir haben das Teil natürlich in brennender Mittagshitze besucht.
Das hat zwar den Vorteil, dass es recht leer ist, aber dafür ist Atmen ziemlich anstrengend.
Es ist einfach noch mal heißer, als es in Aurangabad war. Obwohl wir ein gutes Stück weiter nördlich sind.

In unserem viel zu teuren Eintrittsticket ist immerhin ein bisschen Wasser dabei, das genau zwanzig Minuten hält. Außerdem müssen wir nirgends anstehen und können sehr flott zum Mausoleum.

Das Gebäude ist wirklich beeindruckend. Alles ist perfekt symmetrisch und der Marmor strahlt in blendendem Weiß.

Sollte ich mal sterben, möchte ich auch so begraben werden!
(Jetzt muss ich nur noch irgendeine Königin mit leichtem Größenwahn finden, die sich in mich verknallt…)

 

Da die Luft quasi am Brennen ist, entscheiden wir uns den Besuch relativ kurz zu halten und lassen das Museum aus. Nassgeschwitzt und dehydriert geht es recht zügig zurück in Richtung Ausgang.
Die nervigen Verkäufer direkt am Ausgang geben uns nicht einmal die Möglichkeit in Ruhe zu reflektieren. Wir laufen zurück zum Hostel, das glücklicherweise nur ein paar Meter entfernt ist und kühlen erstmal ein bisschen runter.

Eigentlich hatten wir geplant noch das rote Fort zu besuchen, aber wir nehmen uns stattdessen hitzefrei.
(Hab ich schon erwähnt, wie wahnsinnig heiß das heute ist?!)

 

Wir wollen ja während unserer gemeinsamen Zeit mindestens bis nach Manali, in der Gebirgsregion Himachal Pradesh. Das ist noch ein ganzes Stück weit entfernt. Wir haben aber nur noch eine Woche Zeit um da hoch zu fahren, dort Zeit zu verbringen und danach wieder zurück nach Delhi zu kommen.

Ursprünglich war die Idee die Nacht heute in Delhi zu verbringen und dann morgen Abend mit dem Bus da hoch zu Fahren. Nach ein bisschen Gequatsche sind wir uns einig, dass wir uns die Nacht in Delhi eigentlich auch schenken können. Sightseeing bei dem Wetter ist sowieso nicht wirklich machbar und 24 Stunden für einen reinen Stopp zu verschwenden ist auch irgendwie dämlich.
Leider sind Julian und ich recht unterschiedlicher Meinung, was denn den Weg angeht. Lisa spielt die Schweiz.
Julian möchte morgen früh den Flieger nehmen, damit der morgen nicht so groggy ist, ich will den Nachtbus nehmen, der deutlich günstiger ist. Ankommen würden wir ungefähr zu der gleichen Zeit und wir sind beide zu dickköpfig, um den jeweils anderen Weg zu nehmen.
Wir fahren am Nachmittag mit dem Zug nach Delhi und trennen uns dann kurzerhand, um uns dann in 16 Stunden oder so in Manali wieder zu treffen.
Ich nehme noch einen prall gefüllten Rucksack von den beiden mit in Richtung Bus, damit die zwei nur Handgepäck haben und der Check-In morgen entspannter läuft.
Angekommen in Delhi verabschiede ich mich in Richtung Bushaltestelle und die zwei in Richtung Hotel.

Ich warte in der Hitze noch knapp zwei Stunden, dann ist der Bus aber endlich da und für mich geht es los.
Julian und Lisa haben noch neun Stunden oder so, bis deren Wecker klingelt.

Wir sehen uns dann morgen in Manali!