Tag 3 – Orga

Nebel!

Kurz nach Sonnenaufgang packen wir das kletschnasse Zelt ein und fahren einen Kaffee später los in Richtung St. Stephanos Kloster, einem letzten Ausläufer von dem Armenisch/Azerbaidjanischen Christentum, der es bis in den Norden vom Iran geschafft hat.
Kurz hinter Jolfa werden wir von zwei bewaffneten Soldaten angehalten. Der Grenzstreifen zwischen Iran und Azerbaidjan ist immer noch umkämpft und entsprechend nervös sind hier die beiden Seiten.
Allerdings ist es ein ruhender Konflikt, sodass wir problemlos nach kurzer Zeit passieren dürfen und wenige Minuten später das Kloster erreichen.

 

Unser Tagesziel heute ist SIM-Karten zu organisieren, dafür fahren zuerst in Richtung Marand, der ersten größeren Stadt auf unserem Weg. In der Stadt wird es ein wenig chaotisch, aber davor wurden wir schon vorab gewarnt. Während die Qualität der Straßen bislang wirklich bemerkenswert gut ist, so sind die Verkehrsteilnehmer wirklich bemerkenswert schlecht. Aber irgendwie funktioniert es trotzdem.
Unser viel zu spätes Frühstück essen wir in einem kleinen Imbiss am Straßenrand. Das sehr leckere Reisgericht kostet uns zusammen 240.000 Rial, ungefähr zwei Euro.
Einen kleinen Handyladen haben wir schnell gefunden. Wir möchten gerne den Anbieter „Irancell“ haben, der scheint im Iran die beste Netzabdeckung zu haben.
In dem kleinen Laden kann uns zwar nicht geholfen werden, aber wir werden weitergeleitet an ein anderes Geschäft, in dem das vielleicht klappt. Auch hier werden wir wieder weiter verwiesen, aber auch im darauffolgenden Geschäft kann uns letzt enendes nicht geholfen werden.

Auf dem weg zum Auto sehen wir noch einen etwas größeren Irancell laden in dem wir unser Glück nochmal probieren.
Die wirklich ausgesprochen Freundliche Belegschaft versucht uns besten Willens weiterzuhelfen, kann uns aber letztendendes nicht zur SIM-Karte verhelfen.
Stattdessen bekommen wir Kekse und jede Menge Bonbons, die wir dann wunderbar als Wegnahrung in Richtung Täbris einsetzen können.

 

Unterwegs geht’s das erste Mal ans tanken. Die erste Tanke hat gar keinen Diesel, bei der nächsten kann uns dann aber geholfen werden. Einmal volltanken, gute 60 Liter, kosten uns 240.000 Rial, etwa zwei Euro.
Zwei Euro!
Der Wahnsinn! Ich glaub‘, ich fahr hier einfach den ganzen Tag nur noch durch die Gegend – mit den Preisen macht das richtig Spaß!

 

In Täbris angekommen steuern wir sofort auf eine Irancell Zweigstelle zu und hier scheint unser Tagesvorhaben endlich zu funktionieren.
Etwa eine Stunde und relativ viel hin- und her später, haben wir beide eine Iranische SIM-Karte und werden direkt mit der Zensur konfrontiert.
So ziemlich alle Zeitungen und einige soziale Plattformen sind nämlich schlichtweg blockiert.
Dank VPN löst sich das Problem aber relativ schnell. Julians VPN funktioniert einwandfrei, meiner ist leider im Iran gesperrt.
Nachdem wir das auch gelöst haben, geht es noch schnell mehr Geld wechseln und im Anschluss in einen Imbiss zum Abendessen.
Die schlechteste Pizza des Universums.
Was wir hier als „Pizza“ serviert bekommen, ist eine Beleidigung für jedes Teiggericht, das jemals einen Ofen verlassen hat und jemals verlassen wird!
Wir lernen, dass wir hier besser Iranisches Essen verspeisen sollten.

 

Inzwischen ist es schon stockdunkel.
Die Tage hier sind inzwischen sehr kurz, so liegen zwischen Sonnenauf und -untergang lediglich 9 Stunden.

Wir fahren in Richtung Urmia Lake, dem größten Salzsee Irans und über eine sehr gerade und sehr lange Straße.
Irgendwann in der Nacht erreichen wir den See; Auf den knapp 1.300m über Null ist es wirklich kalt und nur ganz knapp über dem Gefrierpunkt.
Das soll uns aber nicht vom Zelten abhalten – wofür haben wir denn Inlets?!
Wir sind sehr gespannt auf den morgigen Tag und ob sich der Weg hierher wirklich gelohnt hat.

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