In Richtung Oman – Teil 2

Nicht weit von Sharjah entfernt steht der Jebel Jais, der mit nicht mal 2.000m der höchste Berg im Oman und den Emiraten ist und gleichzeitig eine der vielen Grenzen zwischen den zwei Ländern markiert.
Die wirklich beeindruckende Straßenqualität zieht sich durch bis weit auf den Berg hinauf. Am späten Abend parke ich hier auf 1.000m und krame noch eine ganze Weile im und am Auto herum, schließe (endlich) den neuen Druckminderer ordentlich an, koche irgendwas und freue mich wieder mal mitten im Nirgendwo zu sein.

Am Morgen geht es weiter den Berg hoch, bis die Straße dann leider ab 1.800m gesperrt ist.
Ab hier ist das Ganze noch in Bau und für mich geht es nur zu Fuß weiter. Ganz hoch möchte ich nicht laufen – nicht zuletzt, weil das vermutlich ein illegaler Grenzübertritt ist und ich nicht wirklich Lust habe schon wieder bei irgendeinem Militär herumzusitzen.

Nach knappen zwei Stunden Gratwanderung bin ich wieder zurück am Auto und unterwegs zur Ostküste.
Am Nachmittag komme ich dann an und mache einen Abstecher zum Strand vor „Snoopy Island“. Meine Schnorchel Ausrüstung freut sich, dass sie hier das erste Mal seit langem ausgepackt wird und ich springe das erste Mal seit einer Weile ins angenehm warme Meer.

Die Taucherbrille hätte ich mir aber sparen können. Zwar ist das Wasser hier voller Leben rund um das kleine Korallenriff um die Insel, allerdings ist es gerade so voller Algen, dass ich mich schnell nach einer Dusche sehne.

Heute Nacht verbringe ich hier am Strand, morgen steht der Grenzübertritt auf meinem Plan und dementsprechend früh will ich los.

 

Am frühen Nachmittag erreiche ich die Grenze und tanze das übliche Grenzballett, diesmal allerdings mit extra-Runde zurück vom Oman in die Emirate. Ich habe dummerweise vergessen das Carnet ausfüllen zu lassen.
Die ganzen Grenzbeamten sehen die Sache enorm gelassen und winken mich fröhlich durch die Gegend.

Nachdem ich den ganzen Papierkram erledigt habe, geht es über leere Autobahnen weiter in der Abendsonne in Richtung Snake Gorge, der Schlangen-Canyon, der mitten im Al Hajar Gebirge liegt.

Omans Norden

Aus irgendwelchen Gründen hat das Auto allerdings angefangen regelmäßig zu überhitzen. Das gefällt mir so gar nicht, ich entscheide mich aber weiter zu fahren (was sich noch als sehr dumm und teuer herausstellen wird, aber das wird ein eigener Beitrag)

 

Ich biege auf immer kleiner werdende Straßen ab, bis ich dann nur noch auf Geröll unterwegs bin. Ich treffe auf einen Omani, der mich in ein ausgesprochen nettes Gespräch verwickelt und mir einen fantastischen Zeltplatz für die Nacht empfiehlt.

Es ist Vollmond und um mich herum gibt es nur Berge und keine Spur von Lichtverschmutzung, bis auf das Lagerfeuer, das hier fröhlich vor sich hin brennt.

 

Am nächsten Morgen geht’s tiefer in die Schlucht hinein. Das Gelände wird immer anspruchsvoller, mein Auto schlägt sich aber ganz gut.
Die Blicke sind wirklich atemberaubend und ich verbringe eine gute Stunde im Gelände mit fantastischer Aussicht.

Viele Kilometer Bergab später stehe ich in einem kleinen Teil von dem Snake Gorge, der sich hier beeindruckend durch die Berge schlängelt.

Canyons, oder „Wadis“, wie sie im arabischen Raum genannt werden, sind sehr steile Schluchten, die über Jahrtausende Erosion von Flüssen entstanden sind. Einige der Wadis werden hier immer noch regelmäßig durchflutet, sodass es sich hier jede Menge kleine Seen finden lassen.

Ein Ziegenkitz leistet mir noch ein bisschen Gesellschaft, bevor wir uns dann wieder trennen und unserer Wege gehen.

 

Die Rückfahrt aus dem Canyon habe ich gefilmt und versucht die interessanten Stellen zusammenzuschneiden:

 

Die 150 Kilometer in Richtung Muscat und damit in Richtung Leo, ziehen sich ganz gut. Vor allem wegen meines Autos, das Geschwindigkeiten über 70 nur so semi-gut verträgt.

Irgendwann am Abend komme ich aber an und melde mich bei Leo, die völlig überrascht ist, dass ich schon da bin.
Ich warte ein bisschen im Studenten-/Intern-Wohnheim, das witzigerweise als „Die Villa“ betitelt ist, bis ich dann ein bekanntes Gesicht erhasche und wir uns beide völlig aufgekratzt in den Armen liegen und uns über meinen Besuch freuen.

Ich brauche jetzt erstmal ein paar Tage, um anzukommen – glücklicherweise habe ich hier mehr als genug Raum und Zeit dafür!

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