Steckengeblieben in Dubai – Teil 2

Zwischendurch meldet sich Leonie noch mal bei mir, die kommt mich spontan für das Wochenende besuchen und taucht dann auch direkt zwei Tage später im Hostel auf.
Wir planen ein bisschen Sightseeing und machen uns Abend auf den weg zu den klassischen Touristenfallen, dem Seiden und Gold-Markt.
Das Ding ist 100% Show und einfach nur ätzend. Die Verkäufer sind super aufdringlich und wir bewegen uns sehr zügig durch das Gebiet durch.
Wir warten auf den Wasserbus, der hier am Abend einmal von der „Altstadt“ nach Marina fährt.
Die Schifffahrt ist total nett, wenngleich nicht alles zu sehen ist, da wir kurz nach Abenddämmerung ablegen.

Die Skyline und jede Menge riesige Bauprojekte können wir erhaschen und gerade das Ende der Fahrt beeindruckt uns – wir halten neben dem Ain Dubai, dem größten Riesenrad der Welt (weil: warum nicht?), und bekommen ein fettes Feuerwerk zu Gesicht, mit dem wir so gar nicht gerechnet haben.
Kurze Zeit später legen wir in Marina an und schlendern noch ein wenig durch die Gegend, snacken ein bisschen und nehmen dann die Metro zurück in Richtung Hostel.

 

Am nächsten Morgen geht’s in das Industrieviertel Al Quoz. Hier in der „Alserkal Avenue“ findet aktuell ein Kunst- und Kulturfestival statt, was Leo gestern herausgefunden hat.
Das von außen wirklich unscheinbar aussehende Gelände besteht aus 90 großen Lagerhallen, die fast alle irgendeinen Laden oder eine Kunstausstellung beinhalten. Wir schlendern eine Weile durch das gut besuchte Gelände und quatschen mit jeder Menge Leute und sind recht gut drauf.
Unter anderem reden wir mit Rania, der das Nonprofit „Charycicles“ gehört.

Rania (und ihre Schwester, Zaina) sind Palästinenserinnen, die in Jordanien aufgewachsen sind, nachdem die Eltern im Rahmen des Sechstagekrieges 1967 nach Jordanien geflohen sind.
Die Familie ist dann irgendwann um 1995 nach Kanada ausgewandert und gute 20 Jahre später zurück nach Jordanien und dann nach Dubai gezogen.
Das scheint gar nicht so ungewöhnlich zu sein, in den kommenden Wochen soll ich noch einige andere Leute mit einer sehr ähnlichen Vergangenheit kennenlernen.

Die Idee hinter Charycicles ist das Upcycling von Fahrrädern für einen guten Zweck. Jedes zehnte Fahrrad wird nicht verkauft, sondern an ein Flüchtlingskind in Dubai gespendet. Außerdem spenden die zwei den Gewinn an lokale Organisationen.

Ich finde die Idee ziemlich cool und biete Rania meine Unterstützung an, auch wenn ich hoffentlich recht bald wieder aus Dubai raus bin (Haha – falsch gedacht).

 

Für Leo und mich geht es jetzt aber erst mal weiter mit dem Programm von Alserkal. Wir hören uns drei verschiedene Vorträge an, die sich vor allem um Nachhaltigkeit in den VAE drehen.
Zuerst von Yazen Al Kodmani, einem der Manager der Emirates Bio Farm, die größte, komplett nachhaltige und organische Farm in den Golfstaaten. Hier geht es vor allem um die kritische Auseinandersetzung mit dem Einsatz neuer Technologien zur Optimierung von nachhaltiger Landwirtschaft, insbesondere mit Hilfe von Hydroponik.

Nach dem Vortrag können wir noch kurz mit Yazen quatschen und noch ein paar doofe Fragen stellen.
Außerdem lernen wir Fizen kennen, die das ganze Event hier organisiert hat und uns auch direkt zum nächsten Vortrag schickt.

Sheikh Dr Majid Al Qassimi, director of animal health and development at the UAE Ministry of Climate Change, das ist der volle Titel von dem nächsten Sprecher. Abgesehen davon, dass das für ein Land mit kaum 10 Millionen Einwohner schon beeindruckend ist ein dediziertes Ministerium für Klimawandel zu haben, ist der Typ einfach mal 35 und einer der sympathischsten Sprecher, die ich seit ner Weile gehört habe. (Wobei das nicht viel heißen soll, wo ich mir sonst nur die 3xC3- und TED-Talks anhöre…)
Auf jeden Fall geht es hier um die konkreten Bemühungen seitens der Regierung die Nahrungsmittelproduktion der VAE nachhaltiger und unabhängiger zu gestalten. Aktuell werden lediglich fünf Prozent der Lebensmittel Lokal produziert. Der Rest wird importiert. Das liegt vor allem daran, dass die Emirate zu gut 80% aus Wüste bestehen, in der es relativ aufwendig ist ordentlich Land- und Viehwirtschaft zu betreiben.
Der ganze Import sorgt für eine ziemlich heftige Emissionsbelastung in der Region, sodass die Regierung hier mit höheren Import-Steuern und stärkerer Subventionierung von lokalen Farmen versucht die lokale Produktion anzukurbeln.
Am Ende vom Vortrag gibt’s für alle Teilnehmer Gemüse von einem der lokalen Bauernhöfe. Knüller, Gratis-Gurken!

Ein letzter, leider nicht ganz so spannender Vortrag dreht sich um Nachhaltigkeit im eigenen zu Hause. Die Gäste von dem Vortrag waren ziemlich cool, leider hat die Moderatorin nur so semi überzeugt, worunter das ganze Format ein bisschen gelitten hat.
Die kurz angerissenen Technologien sind allesamt recht spannend, aber so wirklich weitgreifende Lösungen sind das alles nicht.

 

Der Tag geht so langsam zu Ende und als letzte Veranstaltung gibt es noch ein paar Musikacts, die wir mit bester Laune genießen, bevor wir uns dann wieder langsam in Richtung Hostel aufmachen.

Einen Zwischenstopp machen wir noch an der Metrostation Burj Khalifa/Dubai Mall und „schlendern“ eine Runde durch das fette Shoppingcenter. Das zweitgrößte Shoppingcenter der Welt, zumindest wenn man die Grundstücksfläche betrachtet.
(Dieses ganze „höher, schneller, weiter“-Thema nehmen die hier schon ziemlich ernst)

 

Am Nachmittag wird sich Leo schon wieder auf in Richtung Muscat machen. Vorher wollen wir uns aber noch den „Farmer’s Market“ und die „Sustainable City“ angucken.
Dafür geht’s erst mal auf zur Metro-Station Business Bay und eine Weile zu Fuß weiter, bis wir dann auf den bemerkenswert winzigen Markt treffen.
Die 20 Stände stehen hier ein bisschen verloren in der Gegend rum und wir schlendern einmal hin und her, kaufen ein bisschen Proviant für den Tag und entdecken dann zwei e-Kickroller, die man sich wohl per App ausleihen kann.
Nice!
Gute fünf Minuten später cruisen wir mit dem Spielzeug in Richtung Burj Khalifa und noch mal kurz zur Mall – hier soll irgendwo ein Diplodokus Skelett rumstehen, das wir gestern leider nicht gefunden haben.
Die riesige Ansammlung an Knochen hat ihren eigenen Raum inmitten des Gold-Souqs und beeindruckt uns ordentlich.

Aber wir müssen zügig weiter.
Leo hat eine Mitfahrgelegenheit nach Oman und die macht gerade ein bisschen Stress.
Wir machen uns zügig auf den Weg zum Stadtteil „Sustainable City“, leider wird das alles zeitlich viel zu eng, sodass wir uns quasi an der Bushaltestelle von dem Viertel verabschieden.
Für Leo geht es jetzt erst nach Abu Dhabi, zum dortigen Louvre, das in Kooperation mit selbigem aus Paris entstanden ist.

Ich schaue mir in ruhe das Konzept von dem Viertel an, schlendere ein wenig durch die Gegend und mache mich dann wieder auf in Richtung City.
Die „Sustainable City“ ist ein Konzeptviertel, recht weit weg vom Stadtzentrum, in dem versucht wird absolut alles nachhaltig zu gestalten. Dazu gehört vor allem ein Plastikverbot in dem Viertel, ein paar Zero-Waste Konzepte und ein komplett autarker Energiekreislauf, der unter anderem die Wasseraufbereitung für die gut 500 Häuser stemmt.

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