Lappland

„Von Weihnachtsmännern und Rentieren“ – so könnte ich den Beitrag eigentlich auch taufen.
Auf meinem Weg nach Rovaniemi begegnen mir immer wieder Hinweisschilder, auf denen eine von zwei Sachen stehen:

Entweder Werbung für das „Dorf des Weihnachtsmannes“, in Knallgrün und Rot mit einem weißbärtigen Mann in rotem Gewand, oder ein Warnhinweis mit dem oberen Teil von Finnland und der Aufschrift „Rentierzuchtgebiet“ in diversen Sprachen.

Und kaum kündigt das Schild die Tiere an, schon läuft mir auch die erste Großfamilie Rentiere vor das Auto.
Ein Jungtier habe ich eingefangen bekommen, für den Rest war ich zu langsam.

Ein scheues Rentier-Kalb

 

In Rovaniemi angekommen, statte ich zuerst dem Arktikum einen Besuch ab. Als Hauptstadt von Lappland und der letzten Stadt südlich vom Nordpolarkreis, befasst sich das Große Museum mit Tieren, Menschen und der Natur im Norden. Die wunderbar gestalteten Ausstellungen erzählen viel von Flora und Fauna, und wie der Mensch die Natur beeinflusst. Ein nicht kleiner Teil beschäftigt sich außerdem mit dem Klimawandel, der gerade in den nördlichen Regionen deutlich zu spüren ist. Ob und wie sich das in Zukunft verändert, wird sich noch zeigen. Allzu rosig, sieht es aber nicht aus.

Das Arktikum

Im Innenraum

Und die Rückseite

 

Nach dem Besuch im Arktikum geht für mich zur lange angekündikten „Santa Claus Village“. Direkt auf dem früheren Polarkreis hat der Weihnachtsmann sein Postamt.

Postamt vom Weihnachtsmann

Die Briefe, die an den Weihnachtsmann geschrieben werden kommen hier an. Zumindest wenn man den Umschlag ausreichend frankiert hat und die richtige Adresse aufgeschrieben hat:
Santa Claus
Santa Claus Main Post Office
FI-96930 Arctic Circle

Jedes Jahr kommen hier mehrere Millionen Briefe an, die vor allem von den vielen helfenden Elfen gelesen und sortiert werden.
Einige besonders alte Exemplare sind sogar ausgestellt.

Ein Teil der Briefe, die seit 1985 hier eingetrudelt sind.

Das Weihnachtsdorf liegt auf dem nördlichen Breitengrad 66°32’35“ – hier lag 1865 noch der Polarkreis. Da die Erde sich aber aktuell langsam aufrichtet, ist der Polarkreis inzwischen bei 66°33’47“ – gute zwei Kilometer weiter nördlich. alle 40.000 Jahre pendelt die Erdachse etwa 2° hin und her. Irgendwann in ferner Zukunft ist das Weihnachtsdorf dann also wieder genau auf dem Nordpolarkreis.

 

Als nächstes geht’s mehr oder weniger direkt in Richtung Norwegen. Ich fahre einen Großzügigen Umweg über den Pallas-Yllästunturi-Nationalpark. Unterwegs wird bewusst, dass ich inzwischen voll im Herbst stecke.

Gelbgrüne Farben auf dem Weg

 

Unterwegs im Nationalpark laufen mir wieder jede Menge Rentiere vors Auto und auch vor die Linse. Mein Fotoglück zeigt sich also doch noch!

 

Gegen Abend dackel ich gute fünf Minuten hinter dieser Rentierfamilie her, die sich von mir überhaupt nicht stören lässt.

Irgendwann überhole ich dann aber doch und kriege noch den Bock der Familie vor die Linse.

 

Am kommenden Tag geht es vor allem in Richtung Nordosten. Quer durch Lappland und begleitet von einer Menge Rentiere am Straßenrand, geht es für mich nach Norwegen. Auf einer Hochebene mache ich das erste mal Bekanntschaft mit der beeindruckenden und seeehr weiten Tundra in Finnlands Norden.

 

Kurz vor der Grenze treffe ich auf den Fluss Karasjohka, der sich gemeinsam mit der Straße in Richtung Norwegen schlängelt und später zum Grenzfluss zwischen den beiden Ländern wird.

Gegen Nachmittag klart der Himmel sogar ein bisschen auf und macht Hoffnung auf gutes Wetter. Die letzte Woche war nämlich vor allem grau und nass. Mit etwas Glück ändert sich das aber in Norwegen. Wobei Sonnenschein auch eine naive Erwartung ist, wenn man im Herbst nach Skandinavien fährt.

Lappland erstreckt sich offiziell zwar bis nach Norwegen, aber weil hier alles seine Ordnung haben muss, bekommt ein neues Land auch einen neuen Beitrag.

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