Unterwegs nach Baku

So ganz direkt fahre ich nicht nach Azerbaidjan. Mein Visa ist sowieso erst ab übermorgen gültig. Bis dahin muss ich also noch eine Weile im Lande bleiben.
Ich hab aber wirklich keinen Bock mehr auf Hostels und mein Bewegungsdran führt mich mehr oder weniger Spontan raus aus Tbilisi.
Erstmal in Richtung Dawit Garedscha, ähnlich wie die Höhlenstadt bei Gori, allerdings noch bewohnt und angeblich mit sehr schöner Gegend drumherum.

Der Weg führt mich durch Rustavi, die viertgrößte Stadt in Georgien, die schon fast Surreal mitten im nichts liegt und quasi ausschließlich aus Hochhäusern aus der Sowjet-Zeit besteht. Hier kann man bestimmt günstig Wohnen. Viel mehr Infrastruktur gibt es aber nicht. Sogar Einkaufsmöglichkeiten sind rar gesät.

Die Straße, die sich immer näher an die Grenze zu Azerbaidjan bewegt, wird mit jedem Kilometer schlechter, bis sie vollkommen von Geröll abgelöst wird. Die Gegend wird dafür immer spannender!
Die letzten 20 Kilometer der Strecke führen nur wenige Meter, parallel zur Grenze entlang. Viele Soldatenübungsplätze und einiges an schwerem Geschütz sind unmittelbar an diesem Feldweg platziert. Einen Zaun, oder ähnliches gibt es nicht, stattdessen sind hier auf jedem Hügel die respektiven Landesflaggen errichtet. Georgiens in der Nähe, Azerbaidjanische ein bisschen weiter weg.
Ich teile mir die „Straße“ mit gelegentlichem Gegenverkehr und der ein oder anderen Patrouille. Letztere machen einen ziemlich entspannten Eindruck.
Gleichzeitig wird das Gelände auch immer aufregender. Die seichten Hügel zeigen immer mehr Abbruchkanten und alles wird schroffer, wenngleich nicht viel höher. Unmittelbar vor Dawit Gardscha wechselt das Gestein die Farbe. Von einem Sandigen Beige wird es auf einmal Rot, durchzogen von Weißen, Gelben und Orangen Streifen. Völlig verrückt und für mich das erste mal, dass ich so etwas sehe. Ich bin schwer beeindruckt.
Die Höhlenstadt ist vergleichsweise Öde, aber alleine für die abgedrehte Natur hat sich der Umweg hierher absolut gelohnt!

 

Am Abend fahre ich noch bis Sighnaghi weiter. Gerade der Anfang der Route bleibt spannend, nicht zuletzt wegen des tollen Lichts am Abend. Außerdem komme ich noch ein paar kleinen Salzseen vorbei.

 

Das ansehnliche Städtchen Sighnagi liegt weiter im Nordosten und sieht aus wie die Kulisse zu einem Mittelalterfest. Fotos gibt es keine, es regnet die ganze Nacht und ich bin deutlich zu faul die Stadt zu erkunden.
Am Morgen fahre ich weiter in Richtung Lagodechi. Die Grenzstadt zwischen Georgien und Azerbaidjan. Außerdem soll es hier einen Nationalpark geben, den ich mir angucken möchte.
Auf dem Weg von dem auf einem Hügel gelegenen Sighnagi ins Tal, gabel ich noch zwei Franzosen auf, die in Richtung Tbilisi müssen. Das ist zwar nicht ganz meine Richtung, aber bis zur Hauptstraße kann ich die beiden natürlich mitnehmen.

Lagodechi ist gar nicht so weit weg. Am frühen Nachmittag erreiche ich die Stadt und kurz darauf auch den bemerkenswert gut ausgebauten Eingangsbereich vom Nationalpark.

In dem Kaffee schlage ich mir den Bauch voll und informiere mich dann, was man hier so tun kann. Ein paar Wanderungen gehen durch den Nationalpark, die einfachste geht einen halben Tag zu einem Wasserfall und wieder zurück.
Heute nehme ich das aber nicht mehr in Angriff, es regnet wie verrückt, mit Aussicht auf Besserung – Morgen.

Gesagt, getan. Nach einem schnellen Frühstück geht’s los über den schönen Weg in Richtung Wasserfall.

 

Ich bin etwas schneller als erwartet und habe entsprechend noch relativ viel Zeit heute.
Also fahre ich die paar Kilometer in Richtung Grenze. Warum nicht heute schon einreisen.
So war zumindest der Plan. Aber wenn ich eins in meiner Zeit in Georgien gelernt habe, dann, dass Pläne hier im Allgemeinen relativ nutzlos sind.
Bei der Ausreise erfahre ich nämlich, dass Autos, die nicht in Georgien zugelassen sind, nur 90 Tage im Land bleiben dürfen. Das auswärtige Amt hat davor gewarnt, ich habe das leider völlig vergessen. Ich war ja 110 Tage im Land und darf pro Tag Überschreitung 50 Lari bezahlen. Die 1.000 Lari Bußgeld sind etwa 350 €. Dreck.

Bezahlen kann ich praktischerweise vor Ort, unpraktischerweise aber nicht mit Kreditkarte.
Der nächste Geldautomat ist in Lagodechi, mein Auto darf ich leider nicht nehmen, um dahin zu fahren. Verdammt.

Ich schnappe mir mein Longboard und mache mich auf den Weg – es sind nur sechs Kilometer, die sollte ich zügig schaffen.
Der erste Kilometer ist am bequemsten – es geht leicht bergab und ich stehe gemütlich auf dem Brett und ernte neugierige Blicke. Das scheint hier nicht das üblichste Verkehrsmittel zu sein.
Ich werde aber schnell zu faul und Strecke beim ersten Anstieg den Daumen raus. Das zweite Auto hält bereits. Deutsche. Natürlich.
Die beiden Jungs nehmen mich die fünf Minuten mit und werfen mich in der Stadt wieder raus.

Zurück geht es in ähnlicher Manier. Per Anhalter fahren funktioniert hier echt gut!

Um 1.000 Lari erleichtert lassen mich die Grenzbeamten dann auch endlich durch. Am gegenüberliegenden Posten darf ich dann das Einreiseballett mitmachen. Wie immer sind die Kontrolleure etwas überfordert mit meinem Auto, Probleme gibt es aber keine. Sogar meine Autoversicherung ist in Azerbaidjan gültig. Immerhin.

Inzwischen ist es schon dunkel, ich habe etwa 400 km mehr oder weniger gut befestigte Straße vor mir. Die erste Nacht in Azerbaidjan verbringe ich irgendwo unterwegs. Immerhin die Benzinpreise helfen meiner Stimmung enorm. Mit 60 Qəpik, Umgerechnet 30 Cent pro Liter, kann ich arbeiten.
Morgen werde ich wohl Baku erreichen, ich bin gespannt, was die Stadt so zu bieten hat.

Ein Kommentar bei „Unterwegs nach Baku“

  1. Lieber Jonas, Mal schauen, ob die 1en und 0en den Weg zu dir finden: herzlichen Glückwunsch zum heutigen Geburtstag und alles Gute zum neuen Lebensjahr! Hoffe, dass es Dir gut geht! VG Frank

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