Tag 10 & 11 – Von Yazd nach Qeshm

„Ali“ scheint gleichzeitig Besitzer von dem Guesthouse zu sein, in dem wir die Nacht verbracht haben, so wie Tourguide für die Burgruine Saryazd.

Leider spricht Ali kein Wort Englisch und kann uns nur begrenzt weiterhelfen. Immerhin den Weg zu der Burg zeigt er uns.
Wir sind relativ früh dran und die einzigen Besucher in der beeindruckend verwinkelten Ruine.

Allzu viel Zeit können wir hier aber nicht vertrödeln, wir haben noch ziemlich viel Strecke vor uns und, wie sich später herausstellt, eine wirklich hohe Passstraße zu überqueren.
Eigentlich wollen wir unterwegs noch zu einem Canyon, verpassen aber die Abfahrt und beschließen dann, dass wir auf den inzwischen 150 Kilometer langen Umweg keine Lust haben.
Stattdessen geht es hoch – und zwar ziemlich!
Die Landschaft verändert sich merklich, auch wenn die Temperatur mehr oder weniger gleich warm bleibt.
Wir folgen spontan einem kleinen Schild, auf dem „Sarcheshmeh Lake, 5km“ steht und fahren über eine Schotterpiste bis zu einer kleinen Kontrollstation, in der wir den Wachmann überzeugen uns durchzulassen.
Wir sind nicht ganz vorbereitet auf den außergewöhnlichen Ausblick, der sich uns gleich bieten soll. Wir fahren ein paar hundert meter weiter und dann relativ steil an einem Künstlichen Berghang hoch. Die Außenseite von einem riesigen Stausee, der hier oben scheinbar nagelneu gebaut wurde.
Der Ausblick auf den See ist jedenfalls fantastisch und wir machen eine längere Pause hier oben.

Später finden wir heraus, dass dieses Gebirge und das umliegende Gebiet ein riesiger Kupfermienenkomplex ist, der zweitgrößte der Welt, um genau zu sein.
Wir fahren den Pass noch weiter hoch, bis auf etwas über 2.700m, bevor es dann wieder bergab geht.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir fast ausschließlich im Auto und fahren sehr lange geradeaus und immer näher an den Persischen Golf.

Am Abend wird es wieder ein bisschen zivilisierter um uns herum und wir biegen ab auf einen Acker, der auf der Karte einen ganz guten Eindrucke vermittelt.
Es sieht ein bisschen so aus, als würden hier unförmige Tennisbälle angebaut werden, erst beim zweiten Blick erkennen wir, dass wir gerade auf einer Honigmelonenfarm unterwegs sind.
Das Zelt bauen wir irgendwo in der Mitte, in einem unbewirtschafteten Gebiet auf.

Zum Frühstück gibt es am nächsten Morgen auf jeden Fall Honigmelone.
So frisch habe ich die auch noch nie gegessen – sehr lecker!
Beim Frühstück knattert uns ein Iraner auf seinem Roller entgegen, der sich als Landwirt entpuppt, dem die Farm hier gehört.

Der freut sich auf jeden Fall über uns und steht noch kurz Model, bevor wir uns dann weiter in Richtung Süden verabschieden.

Auch heute verbringen wir den Großteil des Tages mit Autofahren.
Hier im Süden ist es aus welchen Gründen auch immer schwerer an Diesel dranzukommen, als im Norden des Landes.
Neben dem Diesel, der gerade ein bisschen Knapp wird, haben wir auch bald keine Rials mehr.
Wir verschieben die Probleme aber erstmal auf später und fahren weiter in Richtung Golf.

Am Nachmittag erreichen wir dann endlich Bandar Abbas, die Größte Hafenstadt Irans.
Hungrig klappern wir hier nacheinander drei beeindruckend schlechte Restaurants ab, bevor wir uns nach drei schlechten Mahlzeiten in ein erfrischend gutes Kaffee setzen, dass es mit jeder Hipster-Kaffeebude in Ehrenfeld aufnehmen könnte.
Ein Liter Cappuccino später fahren wir dann erstmal in Richtung Wechselstube.
Die hat leider noch zwei Stunden geschlossen, also fahren wir stattdessen raus aus der Stadt und in Richtung Bandar Loft. Von Loft fahren die Autofähren rüber auf die Insel Qeshm, unserem letzten gemeinsamen Ziel.
Unterwegs fahren wir noch zu einer Tanke, an der wir uns für 60 Liter Diesel ordentlich übers Ohr hauen lassen. Sechzehn Euro müssen wir im Endeffekt hinblättern – Wucher!!!

Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir am Fährhafen in Loft an.
Qeshm ist eine Steuerbefreite Zone und entsprechend viel Papierkram dürfen wir ausfüllen, bevor wir auf die Fähre gelassen werden.
Die paar Minuten auf der Fähre sind schnell vorbei und wir fahren direkt in Richtung Qeshm-Airport.
Unterwegs passieren wir noch ein sehr dekoratives Kraftwerk (oder so?), dass wir dank den brennenden Schornsteinen schon von weitem sehen können.

Kurz darauf kommen wir am Flughafen an. Wir wollen frühstmöglich klären, wann Julians Flug, zurück nach Tehran wäre, damit wir die Zeit auf der Insel auch ordentlich auskosten können. Leider hat der Flughafen schon zu und wir suchen nach irgendjemandem, der uns zumindest die Öffnungszeiten verraten kann.
In einem kleinen Nebenhaus brennt noch Licht und wir werden von ein paar Soldaten begrüßt, die hier offensichtlich stationiert sind.
Einer von den Jungs spricht sehr gut Englisch, will nach seiner Dienstzeit seinen Master in Informatik machen und danach in Deutschland arbeiten. Der verrät uns auch, ab wann der Flughafen geöffnet ist, sodass wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen können.
Wir finden ein Guesthouse in der Nähe vom „Turtle-Beach“, einem Schildkröten-Brutgebiet auf der Insel und machen es uns hier für die Nacht gemütlich.
Die Besitzerin ist stark in dem Kultur- und Geologieprojekt der Insel eingebunden und kann uns einige spannende Geschichten erzählen und füttert uns mit Infos über die Insel.

Nach einem langen Tag fallen wir dann aber erschöpft ins Bett. Zwei Tage haben wir noch zusammen.

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