Steckengeblieben in Dubai – Teil 4

…Kurzer Visa-Run – von wegen! Das würde ja bedeuten, dass alles so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe.

Ich mache mich an einem Mittwochabend auf in Richtung Grenze. Weil ich relativ faul bin und das Auto bei der ersten längeren Fahrt nicht zu sehr überstrapazieren möchte, lege ich eine Pause im Mleiha Archeological Park ein.

Nach einer gemütlichen Nacht wache ich in der quietschorangen Wüste auf und mache mich weiter auf den Weg in Richtung Grenze, die ich auch zwei Stunden später erreiche.
Die Ausreise dauert relativ lange, irgendwann bekomme ich dann aber endlich den Stempel und fahre die fünf Kilometer in Richtung omanischen Grenzposten. Die Ein- und wieder Ausreise, inklusive 24h Visum ist zügig erledigt und ich mache mich wieder auf den Weg in Richtung UAE.
Die Grenze ist schon in Sicht, als ich über eine der vielen Bodenschwellen fahre, ein *puff* höre und der Motor direkt ausgeht.
Der Anlasser blockiert und eine Sekunde später steigt auch schon weißer Rauch aus dem Motorraum.
Scheiße!
Das Gedampfe hört nicht auf und dem Geruch nach ist das Kühlflüssigkeit, die hier gerade en masse den Motorraum verlässt.
Die Grenzpolizei hat das ganze mitbekommen und der Streifenwagen weißt mich freundlich darauf hin, dass ich hier nicht anhalten darf.
Als hätte ich die Wahl…
Ich mache mich verständlich und die zwei Beamten ziehen mich ein paar Meter auf die Seite auf einen Parkplatz.
Das ganze spricht sich ziemlich zügig herum und ein paar Minuten später ist mein Auto umrundet von vielen Omanis und Emiratis, die alle offenbar keine Ahnung von Autos haben und trotzdem ihr bestes probieren irgendwas zu reparieren.
Einer der Jungs spricht etwas besser englisch und hilft mir einen Abschleppwagen zu organisieren. Mir bleibt nicht viel übrig, als das Auto wieder nach Dubai fahren zu lassen. Ich befürchte das Schlimmste und habe keine Lust das von irgendeinem Wald- und Wiesen-mechaniker flicken zu lassen. Außerdem kennen die Jungs in Dubai meinen Motorraum ja inzwischen ganz gut und sollten zügig in der Lage sein das Problem zu lösen.
Meiner Stimmung hilft das Ganze nicht so wirklich. Ursprünglich wollte ich ja nur eine Woche in Dubai verbringen, inzwischen nähere ich mich der zwei Monats Marke…
Der Abschleppwagen ist inzwischen angekommen und lädt das Auto auf und fährt die zwei Kilometer zur Grenze.

Weil das viel zu einfach wäre, wenn meine Pechsträhne an dieser Stelle enden würde, kommt was kommen musste: Es gibt Probleme bei meiner Wiedereinreise.
Ich werde eine ganze Weile im Dunkeln gelassen und schließe ein paar Bekanntschaften in dem Grenzbüro, die hier auch schon eine Weile feststecken.
So drei Stunden später verrät man mir immerhin was los ist: Scheinbar habe ich mein Visum überbeansprucht.
Laut System darf ich schon eine ganze Weile nicht mehr im Land sein.
9.000 Tage, um genau zu sein – gute 25 Jahre…
Dass das nicht so ganz stimmen kann, ist den Leuten an der Grenze auch bewusst, aber solange die IT in Sharjah da nichts macht, können die mich leider nicht reinlassen.
So verbringe ich insgesamt etwas mehr als 5 Stunden in dem Grenzgebäude. Der Fahrer vom Abschleppwagen wartet natürlich auch die ganze Zeit, was die Situation wirklich nicht besser macht.
Dann bekomme ich aber endlich den Einreisestempel.
Aus Mittag ist inzwischen Abend geworden und es geht bei Sonnenuntergang in Richtung Dubai. Gegen Acht kommen wir dann endlich an und ich gebe das Auto mal wieder ab.

Erschöpft geht es ins nächste Hostel, von dem mich erst mal die nächsten zwei Tage nicht wegbewege. Der ganze Stress macht sich ziemlich bemerkbar und so verbringe ich die zwei Tage ohne viel Bewegung am Rechner und gucke allerlei Serien und zocke ein wenig.
Scheinbar hat die ganze Situation den Motor mitgenommen.
Der Kühlkreis ist explodiert und der Motor hat noch ein paar Umdrehungen ungekühlt gemacht, die den zum Verformen gebracht haben. Offenbar so schwerwiegend, dass der diesmal nicht reparabel ist.
Glücklicherweise haben die Jungs schon letztes Mal einen Austauschmotor gefunden, den ich da letztenendes einbauen lasse.
Natürlich habe ich gut abgewägt, ob ich das wirklich machen möchte, oder den Wagen lieber verschrotte oder zurückschiffe.
Aber alles in allem bin ich noch nicht bereit diesen Reiseabschnitt hinter mir zu lassen und im Ausland ein Auto kaufen, um dann damit Grenzen zu überqueren ist mir zu stressig.

Der 40cm Schlitz gehört da nicht hin…

 
Ich wechsel mal wieder das Hostel, in ein kleines und gemütliches im Stadtteil Al Rigga.
Die Motorgeschichte brauch ein bisschen Zeit und das Café in Alserkal soll bald eröffnet werden.
Ich brauche noch ein paar Tage, bis ich das Ganze fertiggebaut habe, bin dann aber mehr als pünktlich durch.

So sieht das Café von oben aus.

Und so mit Koch.


Serviert wird vietnamesische Nudelsuppe: „Pho“ und ich bekomme einen Pho-Gutschein auf Lebenszeit und nehme den die nächsten Tage gut in Anspruch!
Ich gehe mal wieder ein bisschen klettern, sonst faulenze ich viel im Hostel herum und lerne hier Klaus kennen.

Der ist witzigerweise ein alter Bekannter vom Thomas, die beiden kennen sich aus ihrer Schulzeit in Neunkirchen-Seelscheid, haben seit 15 Jahren aber nichts mehr voneinander gehört.
Klein ist die Welt.
Klaus und ich verstehen uns richtig gut und kommen schnell ins Quatschen. Der ist inzwischen ähnlich lange wie ich unterwegs, hat allerdings in Asien angefangen und bahnt sich den Weg langsam zurück nach Europa.
Vor allem reden wir über Seefahrt, eins meiner größeren „To-Dos“ auf meiner reise ist das Arbeiten auf einem Schiff, in welcher Form auch immer. Klaus hat das schon hinter sich und steht mir Rede und Antwort und gibt mir ein paar ordentliche Anhaltspunkte, wo und wie ich anheuern kann.

 

Dann sind die Jungs auch fertig mit dem Austauschmotor. Der läuft jetzt wunderbar, die Plastikabdeckung mit dem großen Loch ist jetzt aus Metall und ich bin zufrieden und wäre eigentlich bereit endlich in Richtung Indien aufzubrechen.
Leider soll es bei einem Problem nicht bleiben: Der Motor läuft zwar gut, allerdings habe ich jetzt Probleme beim Starten.

Die Jungs von der Garage probieren noch ein bisschen herum, können den Fehler aber nicht finden. Ich recherchiere ein bisschen und quatsche mit Julian, der mir ein bisschen mit einer Ferndiagnose hilft. Die aktuelle Vermutung ist, dass das irgendein Problem mit der ECU oder anderer Elektronik ist, wo mir wohl die offiziellen Läden besser bei helfen können.

Der Workaround bis dahin besteht aus dem Ausstöpseln vom Temperatursensor, dann startet der Motor problemlos.

Da sonst alles gut genug funktioniert und ich wirklich keinen Bock mehr habe hier in Dubai zu verschimmeln, entscheide ich mich das Problem auf Indien zu verschieben.

Im Hostel lerne ich einen Franzosen kennen, der mit einem Freund aus Deutschland unterwegs in Richtung Oman ist. Ich beschließe die beiden mitzunehmen und wir wollen in zwei Tagen gemeinsam losfahren.

Den nächsten Tag fahre ich ein letztes Mal nach Alserkal, genieße ein Pho und verabschiede mich danach von den Mädels.

Morgen geht’s endlich weiter, komme was wolle!

2 Kommentare bei „Steckengeblieben in Dubai – Teil 4“

  1. Oh je, lieber Jonas, da war ja echt der Wurm drin.
    Das war wahrscheinlich der Tiefpunkt deiner bisherigen Reise, oder?

    Aber an den Kommentaren habe ich gesehen, dass du mittlerweile in Mumbai angekommen bist. Dann hat es ja am Ende doch irgendwie funktioniert.

    Ich wünsche dir ein zuverlässiges Auto und eine schöne Zeit in Indien,
    mit lieben Grüßen
    Annette

    1. Huhu 🙂

      Ja, einfach ist anders…
      Das Auto ist zwar auch hier in Indien, aber aktuell in Mumbai, während ich schon gaanz im Süden bin.
      Ist aber auch voll okay, in zwei Tagen oder so fliege ich nach Sri-Lanka, da hätte das mit dem Auto sowieso nicht funktioniert.

      Grüße in die Heimat 😀

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