Hampi

Ich habe noch nie so was abgedrehtes und einzigartiges wie die Ruinenstadt Hampi gesehen.
Diese „Siedlung“, die hier in der Mitte von uralten Ruinen entstanden ist und klar auf Tourismus ausgelegt ist, ist schon beeindruckend für sich allein. Die Natur, die das Gebiet umrundet ist gleichzeitig auch so verrückt und anders, dass sich ein Gesamteindruck ergibt, den ich nur schwer in Worte fassen kann.
Auf meiner ganz persönlichen Liste der einzigartigen Orte liegt das Gebiet gleichauf mit Myvatn auf Island, Irans Urmia-See und dem Marlborough Sound in Neuseeland.
Krass.
Aber von vorne:

Ich komme nach gut zehn Stunden Busfahrt in dem Dorf an. Schon auf den letzten Kilometern merke ich, dass das hier besonders ist. Überall liegen riesige runde Steine herum und immer wieder kann ich kleine Tempelruinen entdecken.

Wie erwartet werde ich beim Aussteigen von Guides und Rikschafahrern nur so bewimmelt, die sind mir aber erstmal egal und ich latsche in Richtung des Großen Tempels, der hier ganz klar das Gebiet dominiert.

Hier in Hampi bin ich mit Couchsurfing untergebracht. Scheinbar in einem Gästehaus, aber das kommt später. Jetzt muss ich mich erstmal um Frühstück kümmern.

Gesagt, getan. Ich peile eins der Rooftop-Cafés an und bestelle Aloo-Paratha, mit Kartoffeln gefülltes Brot mit Joghurt-Dip.
Ich bin gerade fertig mit Essen, da springt ein Affe auf meinen Tisch.
Völlig irritiert kann ich nur dabei zusehen, wie der die Schale mit dem Dip klaut, auf dem Tisch verteilt und anfängt den Kram aufzulecken.

Das war ja eine ganz schön seltsame Begegnung – nicht zuletzt, weil das Viech echt aggressiv dabei war und mich einmal gekniffen hat. Verrückt.
Das war auch das erste Mal, dass ich einen Affen außerhalb von Zoos gesehen habe. Entsprechend wusste ich auch nicht, wie ich mich da am besten verhalten hätte.

Naja, das lerne ich schon noch, weiter geht’s.

 

Mein Gastgeber ist nördlich vom Fluss, ich bin noch auf der Südseite und mache mich gemütlich auf den Weg zur Fähre.

Was mir sofort auffällt und mich mit Abstand am meisten beeindruckt ist die Menge an alten Statuen und Kunstwerken, die hier einfach so in der Gegend rumfliegen, ohne dass sich da irgendwer für interessiert.
Den gleichen Kram kenne ich sonst nur hinter Glasscheiben in Museen.
Hier trocknen die Leute ihre Wäsche auf den Köpfen von irgendwelchen Statuen.

Auf der kleinen Nussschale überquere ich die paar Meter zur anderen Flussseite und latsche gemütlich zur „R.K.Residency“. Hier bin ich für die nächsten paar Nächte mit Couchsurfing untergebracht.
Rajesh heißt der Typ, dem die Bungalows hier gehören. In der Off-Season schließt das offizielle Geschäft und die Hütten werden für Couchsurfer geöffnet.
Ich bin allerdings der Einzige hier und Rajesh ist gerade ganz wo anders, sodass wir uns erstmal nicht kennenlernen.
Ich laufe ein bisschen auf der einzigen Straße herum und setze mich ins einzige Café, das geöffnet ist.
Neben mir sind noch ein paar andere Deutsche hier, denen schließe ich mich an und später am Nachmittag schwingen wir uns auf ein paar Roller und fahren ein paar Meter weiter zum „Sunset Point“, etwas nördlich von dem Dorf.
Es ist atemberaubend.

Das ist garantiert nicht das letzte Mal, dass ich hier auf die Steine klettere.
A apropos Klettern:
Hampi ist die Bouldering-Hauptstadt Indiens. Unzählige große Steine liegen hier wie Kiesel verteilt im Tal herum.
Laut Kletterführer gibt es hier es 721 Bouldering, fünf Lead und zwei Trad-Routen.
Ganz schön viel Stein.
Das Gebiet ist eines der ältesten, quasi-unveränderten Gebiete der Welt. Vor rund 3 Milliarden Jahren, als sich die Erdkruste langsam verfestigt hat, ist die Region hier entstanden und seither nur durch Erosion verändert worden. Die Steine, die so aussehen, als wären sie irgendwo heruntergekullert, liegen tatsächlich seit Milliarden Jahren unverändert am selben Ort und sind nur durch die Witterung so sehr abgerundet.
Hinzu kommt, dass das hier alles Granit ist, die härteste Steinart vor Edelsteinen.
Das alles führt dazu, dass die Gegend hier absolut einzigartig ist.

Ich bin also morgen früh mit Sunny zum Klettern verabredet. Der wohnt hier und vermietet Crash-Pads.
Wir müssen kurz nach Sonnenaufgang los und haben nicht allzu viel Zeit. Tagsüber wird es hier so sengend heiß, dass jede kleine Bewegung zu Schweißausbrühen führt. Ganz davon zu schweigen, dass der Stein so heiß wird, dass man sich schnell Brandblasen holt…

Die gute Stunde, die wir am bouldern sind reicht auch vollkommen aus. Die Routen bestehen quasi ausschließlich aus Crimps und meine Fingerspitzen brennen schon nach zehn Minuten kläglichem Scheitern.
Tja, so ist das, wenn man nicht in Übung ist.
Morgen will ich wieder raus!

 

Trotz der brennenden Sonne machen uns Seba und ich am frühen Nachmittag auf zu einem Teil der Ruinen im Osten der Siedlung.
Die sind zwar „erst“ 600 Jahre alt, der Detailreichtum und die schiere Menge an Ornamenten macht das aber nicht weniger beeindruckend.
Hier sollten besser die Bilder sprechen:

 

Am diesem und dem nächsten Abend bin ich wieder unterwegs, um den Sonnenuntergang von weiter Oben miterleben zu können.
Atemberaubend:

 

Viel mehr passiert an den zwei Tagen auch nicht: Klettern, rumhängen, Abendessen, Sonnenuntergang.
Reicht auch.
Außerdem schieße ich zwei Fotos, die ich als „Die Besten aus Indien“ bezeichnen will:

 

Mein nächster Stopp ist Bangalore.

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