St. Petersburg

Als ich aus der Metro aussteige, fällt mir zu aller erst die Masse an Motorrädern auf, die scheinbar heute irgendeine Form von Treffen in St. Petersburg-Zentrum haben.
Tatsächlich erhasche ich kurz darauf ein Riesen Werbeplakat, dass auf die entsprechende Veranstaltung verweist.
Der Palastplatz, oder Дворцовая площадь, ist der Zentrale Platz in der Stadt und heute komplett abgesperrt. Zum einen, für die ganzen Motorradfahrer und zum anderen in Vorbereitung auf den „Tag des Sieges“, einer der wichtigsten Feiertage in Russland, am 09.05.

Eigentlich war der Plan die Free Walking Tour um 10:45 Uhr zu erwischen. Dafür war ich wohl nicht schnell genug. So ganz ohne Internet ist die Navigation in einer völlig fremden Stadt aber auch echt nicht so einfach. Vor allem, wenn man sich nirgends aufgeschrieben hat, wo denn diese besagte Tour startet.

Auf der Suche nach einem Ort mit Internet fällt mir das erste mal so wirklich die Sprache auf. Ich muss unbedingt Kyrillisch lernen… Aktuell liest sich das alles wie kauderwelsch (Каудервелш).

In einem der üblichen verdächtigen Hipster-Kaffeeläden finde ich dann neben einem ordentlichen Kaffee auch WLAN und kann mich ein bisschen orientieren und beschließe, dass ich spätestens heute Abend eine Russische Sim-Karte kaufe, mit entsprechendem Datenvolumen. Mir fällt noch positiv auf, dass hier immerhin alle ein bisschen Englisch sprechen.

Um kurz vor 12 finde ich heraus, dass es noch eine Walking Tour um Punkt 12 gibt, die allerdings 2 Kilometer entfernt startet.
Ich zahle schnell und mache mich eilig auf den Weg.
Zu spät bin ich trotzdem. Ups.

Dann eben auf eigene Faust und ohne Hintergrundwissen. Ich werde wohl die Tour an einem anderen Tag nehmen.

Ich laufe ein Stündchen durch die auffälligen Straßen und ende wieder am Palastplatz.

Die Blutskirche

Kasaner Kathedrale

Ein Violinist

Quadriga am Palastplatz

Alexandersäule

 

Am Platz fällt mir auf, dass die Vorbereitung für den Feiertag etwas mehr Form annimmt.
Heute ist offenbar auch die Generalprobe für Mittwoch. Dementsprechend viele Uniformierte kann man hier erhaschen.

Über mir fliegen insgesamt 20 Jets in Formation, schon ziemlich beeindruckend.

Ein bemerkenswerter Teil der Bevölkerung von St. Petersburg hat diese Generalprobe allerdings zum Anlass genommen, ihren Unmut über die allgemeine Politische Lage in Russland zu äußern. Vor allem Schüler und Studenten nehmen Teil. Die Proteste starten nicht unweit vom Palastplatz und bewegen sich ziemlich zügig durch die Innenstadt. Der Verkehr wird völlig lahmgelegt und die Polizei ist sichtlich überfordert, mit der großen, sehr chaotischen Masse.
Schade, dass ich nicht verstehe, was die rufen.

Nach zwei Stunden lösen sich die Proteste aber ziemlich plötzlich auf. Ein paar der markanten Gesichter sehe ich etwas später im Park rumhängen.

 

Ich nehme also meinen Ursprünglichen Plan wieder auf und schaue mich noch ein bisschen in der Stadt um.

Isaakskathedrale

Ein Restaurantschiff

Außerdem nehme ich mein ToDo vom Morgen in Angriff und kümmere mich um eine Sim-Karte. Der Anbieter wird МТС, der einzige Netzbetreiber, der auch auf der Krim funktioniert.
7GB Datenvolumen kosten umgerechnet vier Euro – damit kann ich arbeiten!

Inzwischen ist es schon ziemlich spät und für mich geht es wieder in den Norden, zu Polina und Vanya. Die beiden bekommen heute Abend noch besuch von Vadim, der gemeinsam mit Vanya an der Universität für Ingenieurswesen lehrt. Vadim bringt ein paar Flaschen dunkle Craft-Biere mit und wir verbringen einen sehr netten Abend zusammen.

Am nächsten Tag steht Klettern auf dem Programm!
Meine Hosts sind beide im Bergverein und nehmen mich mit zu einem tollen Klettergebiet, in der Nähe der Finnischen Grenze.
Hier verbringen wir den ganzen Tag.

Die Felsen – wie fürs Klettern gemacht!

C’est moi!

Polina und Vanya

 

Am Abend vertrödeln wir noch etwas Zeit in der nahegelegenen Stadt Wyborg und warten darauf, dass sich der Stau auf dem Rückweg auflöst.
Wir gehen noch nett Essen und dann geht’s zurück nach St. Petersburg.

Am folgenden Morgen müssen die beiden arbeiten gehen, ich bin diesmal pünktlich und gesegnet von bestem Wetter bei der Walking-Tour dabei.
Unser Guide ist ein junger Kunsthistoriker, der uns echt viel über die ganzen Orte erzählen kann.

Der Palastplatz

Die Peter und Paul Kathedrale mit dem einzigen Badestrand von St. Petersburg

Der eherne Reiter

 

Auf der Tour lerne ich Thomas kennen, der gerade ein Auslandssemester in Tallin abgeschlossen hat. Wir verstehen uns ganz gut, quatschen nach der Tour noch ein bisschen und machen uns dann gemeinsam auf den Weg zur Isaakskathedrale. Die besticht durch ihr wirklich prunkvolles Innenleben und die Möglichkeit auf die Kuppel zu steigen.

Die Kuppel der Kathedrale

Eine der ausgesprochen schönen Malachitsäulen

 

Oben gibt es einen Rundgang um die Kuppel, bei dem man die Stadt gut überblicken kann. Das Stadtbild ist ziemlich Chaotisch von hier oben. Besonders beeindruckend finde ich den Industriehafen, der sich wie ein Zoo aus Metalltieren in der Ferne vom Rest der Stadt abhebt.

Nach dem Ausflug verabschieden Thomas und ich uns voneinander. Thomas macht sich auf den Weg zu seinem Hostel und ich fahre mit der Metro zum Auto.
Ich mache noch einen Abstecher zum Supermarkt, weil ich mich ab heute Abend auf den Weg in Richtung Moskau mache. Vorher sehe ich Polina und Vanya aber noch einmal, wir sind zum klettern im скалодром северная стена verabredet.

 

Danach müssen wir uns leider voneinander verabschieden, ich mache mich auf den Weg in Richtung Moskau.

Interessanterweise blinkt meine Batterieanzeige im Auto nicht mehr Grün, sondern Gelb. Ich rede mir ein, dass das schon nicht so schlimm ist…

(Spoiler: Stellt sich raus, das Blinkelämpchen hat recht)

Ein Kommentar bei „St. Petersburg“

  1. Das ist ja wirklich spannend, deine Reise zur verfolgen.
    Ich freue mich über jeden neuen Beitrag von dir. Also nicht müde werden beim Schreiben deiner Abenteuer.
    Und weiterhin gute Reise und Grüße in den Osten
    Annette

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